Bernsteinstraße Burgenland

Viele Straßen führen nach Rom

Die Römer haben in dem halben Jahrtausend ihrer Anwesenheit auf österreichischen Boden zahlreiche Spuren hinterlassen. Dass dazu nicht nur militärische Anlagen, größere Siedlungen, Gutshöfe und Gräberfelder gehörten, sondern auch ein umfangreiches Straßennetz mit einer Ausdehnung von 100.000 km an Staatsstraßen und dem Doppelten an Nebenstraßen gebaut wurde, ist weniger bekannt.

Eine der bedeutenden davon ist die römische Bernsteinstraße, die zwischen Aquileia an der Adria und Carnuntum an der Donau bestens ausgebaut war. Ihr Verlauf über Emona (Ljubljana, Laibach), Celeia (Celje, Cilli), Poetovio (Ptuj, Pettau), Savaria (Szombathely, Steinamanger), Scarbantia (Sopron, Ödenburg) war, da er die Alpenpässe vermied, wintersicher. Die Straßenverbindung erhielt ihren Namen nach dem Bericht des römischen Schriftstellers Plinius. Durch ihn ist überliefert, dass auf diesen Weg der von der Ostseeküste stammende Bernstein transportiert wurde. Die Straße wurde bereits unter dem den Kaisern Augustus und Tiberius ausgebaut. Der römische Straßenbau diente natürlich nicht in erster Linie Reiseverkehr und Fernhandel, sondern militärpolitischen Zwecken. Innerhalb des großen römischen Reiches waren des öfteren schnelle Truppenverschiebungen nötig und kaiserliche Befehle mussten ihren Zielort rasch erreichen. Zu diesen Zwecken mussten die Verbindungen in guten Zustand sein und in Routen- und Kartenverzeichnisse aufgenommen werden. Diese Listen wiesen auch auf die Rasthäuser und Pferdewechselstationen hin.

Der Straßenbau

Um besonders kurze und damit kostensparende Verbindungen zu schaffen, wurden römische Straßen möglichst geradlinig angelegt. Dabei wurden die naturräumlichen Gegebenheiten unter Verwendung bereits bestehender Handelswege, wie im Falle der Bernsteinstraße, ausgenutzt. Die Straßendecke im Bereich größerer Städte bestand aus Steinplatten, die, antiken Berichten zufolge, sehr stark zur Lärmbelästigung durch die darauf fahrenden Karren beitrugen. Außerhalb der Siedlungen bestand die Fahrbahn, wie bei der 5-7 m breiten Bernsteinstraße, aus einem Unterbau aus groben Steinen und Grobschutt, die Fahrbahndecke bildete Kies. Der Vorteil der Kiesstraßen, die auf beiden Seiten Wassergräben aufwiesen, bestand im raschen Abfließen von Wasser und im Abfangen von harten Stößen auf den Wagenkorb.

Nach Abschluß der Bauarbeiten an einer Straße wurden die Strecken erneut vermessen und Meilensteine aufgestellt. Die Inschriften auf diesen Steinen informieren vor allem über Erbauer, aber auch über Entfernungen von und zur nächsten Stadt. Die Meilensteine waren somit ein bedeutendes Mittel der politischen Propaganda – ähnlich den heutigen Inschriften auf Projekten der modernen Wohnbauförderung.

Familiengrabstein 2. Jh. (links), Meilenstein (rechts)

Ein aus dem Bezirk Oberwart stammender Meilenstein aus dem Jahr 131/132 n. Chr. weist (in der Übersetzung) folgende, stark verschliffene Inschrift auf:

Imperator Caesar Traianus Hadrianus Augustus Sohn des göttlichen Traianus, des Siegers über die Parther, Enkel des göttlichen Nerva, Oberpriester, Inhaber der tribuzinischen Gewalt zum 16. Mal, Konsul zum 3. Mal, Vater des Vaterlandes. Von Savaria … Meilen.

Wanderweg Bernsteinstraße

Erst im 3./4. Jh. verlor die Bernsteinstraße allmählich ihre Bedeutung als Verbindung zwischen Aquileia und Carnuntum. Bis heute werden Teile der alten römischen Straße als Wald- und Feldwege genutzt, was für ihre gute Bauqualität spricht. Streckenweise dient sie sogar als Unterbau für die modernen Straßen. Am Ende der 1980er ist ein Teil der römischen Originaltrasse im Burgenland als Wanderweg revitalisiert worden. Der Ausgangspunkt des Wanderweges ist die westliche Ortseinfahrt von Strebersdorf im Bezirk Oberpullendorf.