Charlotte-Taitl-Haus

Lern- und Gedenkort

Der Lern- und Gedenkort Charlotte-Taitl-Haus befindet sich in Ried im Innkreis (Oberösterreich). Am Roßmarkt 29 lebte Charlotte Taitl (*15. 05.1896, Thomasroith/Ottnang) bis zu ihrer Deportation. Am 16.10.1944 wurde sie in Auschwitz ermordet.

Die Ausstellung in Charlotte-Taitl-Haus ist eine Außenstelle des Museums Innviertler Volkskundehaus in Ried. Die Stadtbücherei, die sich ebenfalls im Charlotte-Taitl-Haus befindet, gewährt während ihrer Öffnungszeiten freien Zugang zum Gedenkort.

Erinnerung, du Wächter des Gehirns.

Das Charlotte-Taitl-Haus ist allen Opfern des Austrofaschismus und Nationalsozialismus im Bezirk Ried im Innkreis gewidmet. Im Mai 2017 wurde es feierlich eröffnet. Es ist seither ein Ort der Erinnerung an derzeit 196 bekannte Opfer nationaler Diktatur. Als Lernort, ist es Ziel der Ausstellung, die Mechanismen der Gewalt, die mit Nationalismus und Faschismus verbunden sind, aufzuzeigen. Es bleibt zu hoffen, dass diese Ausstellung dazu beiträgt, die Bevölkerung zu erinnern, sie aufzuklären und in Folge rechtspopulistische Tendenzen zu minimieren.

Lern- und Gedenkort Charlotte-Taitl-Haus, Ried im Innkreis (OÖ) Passage

Der Zugang

Die in schwarz und weiß gestaltete Passage führt zum Eingang. Große weiße Buchstaben – Charlotte Taitl Haus – auf dem schwarze Boden scheinen unter die Mauer zu verschwinden. Charlotte Taitl und das Gebäude werden dadurch zu einer Einheit. An den Wänden angebrachte Platten aus Schwarzblech informieren über Geburts- und Sterbedaten der Opfer: Verflossene Leben werden zu Zahlenfluten. Ein großer Strichcode | 031938 || 051945 | fängt die Aufmerksamkeit vor dem Eingang. Er markiert den Anfang und das Ende der dunklen Zeit während des Anschlusses 1938–1945.

Lern- und Gedenkort Charlotte-Taitl-Haus, Ried im Innkreis (OÖ) Stelen

Lern- und Gedenkort Charlotte-Taitl-Haus, Ried im Innkreis (OÖ) JudisDie Ausstellung

BesucherInnen sollten sich Zeit nehmen. Sie sollten den Raum wirken lassen und anschließend
erkunden. Es geht darum ,verfolgte und getötete Menschen kennenzulernen. Anhand ihrer Biografien das Unfassbare zu begreifen. Sensibilisiert zu werden für Manipulation, die Gewaltbereitschaft und Mitläufertum fördert. Und zu verstehen, dass politisch geschürte Angst und offener Hass immer in Verrat und Mord münden werden.

Die Ausstellung ist als „White Cube“ konzipiert. Das bedeute, dass die BesucherInnen selbst das farbige Element beisteuern. Die Namen der Opfer sind in großen weißen Buchstaben auf die weißen Wänden des Raumes geschrieben: die Namen der Menschen mögen verblassen, aber die Unmenschlichkeit nicht.

Lern- und Gedenkort Charlotte-Taitl-Haus, Ried im Innkreis (OÖ) InfoboxIm Raum befinden sich 26 schwarze Stelen. Sie repräsentieren 26 Ermordete – Frauen, Männer und Kinder. Die schwarzen Stelen haben ihre schwarzen Schauseiten auf die weißen Wände gerichtet. Es ist als ob Personen die Wände mit ihren Namen anschauen und mit ihren weißen Rücken zur Raummitte stehen. BesucherInnen gehen den Rundgang zwischen Wand und Menschenreihe hindurch. Sie werden dadurch zu Gleichen unter Gleichen. Als Passanten lesen sie die Biografien auf den Stelen und hören von dem Schicksal der Menschen. Oral History Interviews ergänzen die Informationen akustisch für alle BesucherInnen. Zurückhaltend designte Ausschnitte des Rieder Stadtplans auf den Stelen lassen die Opfer wieder zu BewohnerInnen von Ried werden.

Die Mitte des Raumes ist als freier Bereich belassen und zugleich als „Think Tank“ konzipiert worden.

Das durchgehend weiße Kunstwerk „Judis“ wird randlich und zur Mitte gerichtet in sieben Schaukästen präsentiert. Zerbrechliche Papierköpfe erinnern an das ermordete Mädchen Judis Flieger. Die Köpfe sind mit S-förmigen Füllmaterial aus Styropor bedeckt. Es ist ein Mahnmal an die von der Schutzstaffel (SS) verursachten Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Vor allem größere Gruppen, wie Schulklassen, profitieren von diesem freien Bereich. Große beschriftete schwarz-weiße Würfel laden nicht nur zum Hinsetzen, sondern zur interaktiven inhaltlichen Auseinandersetzung ein: Opfer, Emigrant, Angst, Mut, Verrat, Gewalt und mehr. Die zur Raummitte gerichteten Rückseiten der Stelen können verwendet werden, um Informationen, Arbeitsblätter und mehr mit Magneten an den Rückwänden zu befestigen.

Die offene Nische an der Raumrückseite bietet eine wahre Informationsflut. Die politische Entwicklung von Ried im Innkreis wird ab dem 19. Jahrhundert verfolgt. Die Fülle an chronologischen und kontextuellen Informationen rund um den Bezirk Ried folgt den Ursachen, dem Werden und den Folgen von Nationalismus, Faschismus, Austrofaschismus und Nationalsozialismus durch die Zeit.

Ein wertvoller Beitrag zur Zeitgeschichte, politischen Bildung und nicht zuletzt zur mahnenden Erinnerung.

Ein Touchscreen, ein PC einschließlich Internetzugang, ein Schreibtisch sowie Bücher stehen zur thematischen Vertiefung in diesem Bereich bereit. Informations- und Arbeitsmaterial wird bereitgestellt.

Inklusion

Lern- und Gedenkort Charlotte Taitl-Haus, Ried (OÖ) Braille-Schinen "Josef"

Die inklusive Ausstellung bietet allen BesucherInnen gleichwertigen inhaltlichen Zugang. Im Eingangsbereich ist ein tastbaren Raumplan in Pyramidenschrift für sehbeeinträchtigte und blinde Personen angebracht. Eine Blindenleitschiene mit Brailleschrift an den Wänden macht die Namen begreifbar und is Orientierungshilfe im Raum. Die Fassade des Charlotte-Taitl-Hauses ist als geprägte Folie über dem historischen Foto in der Infobox tastbar.  Mit einem ausleihbaren Gerät für die RFID Chips können die Inahlte der Info-Box ausgelesen werden.

Es können akustische und visuelle Zuspielungen als Audiodeskriptionen und in Gebärdensprache abgerufen werden. Leicht lesbare Texte sind in drei leichten Sprachstufen vorhanden. Sie sind mittels QR-Codes via Mobiltelefon abrufbar.