Heldenplatz – Strohmänner für den Kaiser

PR-Debakel

Mit den Reiterstandbildern am Heldenplatz vor der Hofburg in Wien wollte die Habsburg Monarchie 1860 und 1865 angeblich zwei wichtige Feldherren verherrlichen. Die beiden wehrlosen, weil bereits verstorbenen, aber tatsächlich erfolgreichen Feldherren mussten als Ablenkungsmanöver für politische und militärische Niederlagen herhalten: Eugen Franz, Prinz von Savoyen-Carignan (1663-1736) und Erzherzog Karl Ludwig Johann Joseph Laurentius von Österreich, Herzog von Teschen (1771-1847). Eugen war unter drei Kaisern überaus erfolgreich und hatte einen Migrationshintergrund, der damals niemand gestört hat. Karl hatte bei Aspern 1809 einen ausgiebig bewunderten Pyrrhussieg gegen den internationalen Angstgegner Napoleon errungen. Er war kein Emigrant, obwohl er in Mainz lebte. Seine Frau hatte einen Migrationshintergrund, eine andere religiöse Zugehörigkeit und sie durfte trotzdem in der Kapuzinergruft bestattet werden.

So die Verherrlichungs-Theorie, denn eigentlich benötigte zu diesen beiden Zeitpunkten die Monarchie selbst nur sehr viel positive Werbung. Kaiser Franz Josef I. hatte nämlich höchst persönlich 1859 die Lombardei im Sardinischen Krieg verloren. Für diesen bösen Lapsus, der bei der Schlacht von Solferino Unmengen von Tote gefordert hatte, musste Erzherzog Karl herhalten. Karls Sieg über den großen ersten Napoleon sollte vermutlich Franz Josefs totale Niederlage gegen den dritten Napoleon weniger peinlich wirken lassen. Wer zählt schon bei diesen ganzen Napoleons so genau mit, wenn der erste schon so nachhaltig Gedächtnis geblieben ist. Die zweite Werbungsmaßnahme, also den berühmten Türkenbezwinger Prinz Eugen als drohenden Zeigefinger zu benutzen, hat den sich 1865 bereits abzeichnenden Deutschen Krieg natürlich nicht abwenden können.

Aspern Karl

Beide Standbilder sind gewaltig – ebenso wie des Kaisers Niederlage bei Solverino 1859 – und Blickfänge, die als Ablenkungsmanöver besser funktioniert haben als die Strategie im Krieg und am Verhandlungstisch. Das Reiterstandbild zu Ehren von Erzherzog Karl wurde 1860 errichtet – also ein Jahr nach Solferino. Die Inschrift „Dem heldenmüthigen Führer der Heere Österreichs“ wäscht dem ruhmlos bekleckerten Kaiser die Weste wieder etwas weißer. Leider hatte es ihn langfristig nicht weiser gemacht hat. Das Denkmal für Erzherzog Karl ist eine technische Meisterleistung auf zwei Hinterhufen. Gemeinsam mit dem unwiderstehlichen Löwen von Aspern erinnert es zugleich an die Schlacht von Aspern 1809.

Türken Eugen

Das Reiterstandbild zu Ehren von Prinz Eugen wurde 1865 errichtet, zwei Jahre nach Eugens 200. Geburtstag. Das schwelende Jahr 1865, bevor der Deutschen Krieg ausbrach und mit der vernichtenden Niederlage für die Österreicher bei Königgrätz 1966 endete, war definitiv wichtiger. Die Inschrift „Dem ruhmreichen Sieger über Österreichs Feinde“ hat in diesem Zusammenhang zwar einen tieferen, aber keinen prophetischen Sinn. Anton Dominik Fernkorn schuf beide Reiterstandbilder, aber das von Prinz Eugen beendete Franz Pönninger, nachdem Fernkorn durch Schlaganfälle arbeitsunfähig wurde.

Es sind typisch österreichische PR-Debakel: Erst eine Niederlage vertuschen wollen, dann völlig unüberlegt Wichtigtuer spielen. Dass dabei versehentlich touristische Hotspot geschaffen wurden, ist das Glück, das heute mit den Erhaltungskosten beklagt wird. Es wäre nicht Österreich, wenn nicht geraunzt werden würde.

Wahres Heldentum

Aber beide Feldherren waren in der Tat auf ihre Weise echte Helden. Prinz Eugen war der erfolgreichste militärische Befehlshaber in Österreich. Seine lange Karriere als General und Staatsmann begann mit dem Großen Türkischen Krieg. Aber der wahre Heroismus ist, dass der gebildete, kulturbeflissene und leidenschaftliche Sammler Veteranen, die ohne ihn vermutlich verhungert wären, in seinen Anwesen beschäftigt hat.

Erzherzog Karls militärische Erfolge sind mit den Koalitionskriegen verknüpft. Er bescherte Napoleon in der Schlacht von Aspern 1809 erstmals – nach rund 10 unbesiegten Jahren – eine satte Niederlage. Aber seine Absicht – mit sehr kleinen Schritten – die österreichische Armee zu reformieren, war das wahre Heldentum. Den Kampf gegen die österreichische Tradition, Bürokratie und Korruption auf hohem Niveau des Waffenhandels hat bisher noch niemand gewonnen.

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