Kränze, Kerzen und Kurioses

Wiener Zentralfriedhof

Wenn der 1. November naht, wird’s am Zentralfriedhof regelrecht lebendig und es geht zu wie in einem Taubenschlag. Dann erinnern sich sogar jene, die ihre Verstorbenen 364 Tage im Jahr vergessen haben an deren Gräber. Was sollen sonst die Nachbarn denken, wenn nicht pünktlich Kerzen in den Grablaternen angezündet und Gestecke auf das letzte Grundstück gelegt werden?

Ja es gibt sie, die Grabpost, die Anrufe und die schlechte Nachrede, wenn man den jährlichen Pflichtgang – aus welchen Gründen auch immer – verabsäumt oder es nicht auffällig genug war.

Die Gärtner haben von Ende Oktober bis Anfang November nochmals Hochkonjunktur, die Kerzenerzeuger schmelzen vermutlich die letzten Reste zusammen, um den Bedarf zu befriedigen und der Würstelstand für die Afterparty boomt. Wer nicht laufen will, nimmt den Bus. Wer Kränze, Kerzen und Krempel transportien muss, fährt mit dem Auto. Wer mit Stil fahren möchte nimmt den Fiaker.

Dabei lohnt es sich mehrmals jährlich den Zentral zu besuchen, ohne den Pflichtbesuch als Last zu empfinden, weil es fantastische Fotomotive gibt, weil es ein schöner Park ist und weil es durchaus unterhaltsam sein kann Geschichte im Spiegel der Gräber zu betrachten. Außerdem: Wo sonst kann man Inschriften wie „Hausbesitzersgattin“ finden oder Unmengen ungewöhnlicher, prunkvoller oder skurriler Grabsteine betrachten?