Nudeln – mal anders

Caroline Bretherton
Nudeln mal anders
Selbst gemacht aus Zucchini, Linsen und mehr
80 kreative Rezepte
Dorling Kindersley 2018, 191 S., zahl. Farbfotos
ISBN 978-3-8310-3590-8

Pasta reinvented

Die vermeintlich „alltäglichen Nudeln“ werden in diesem Buch verdientermaßen als schmackhaftes Kulturgut aus der Küche zelebriert. Pasta Reinvented lautet der Originaltitel des Buches und er passt viel besser als der bescheiden anmutende und weniger aussagekräftige deutsche Titel.

Egal ob nun Pasta oder Nudeln im Titel steht, in diesem Buch dreht es sich alles um das Lieblings-Kohlenhydrat. Nudeln bereichern jeden Speiseplan. Sie können sowohl glutenfrei sein als auch vegetarische Ansprüche erfüllen. Und wer behauptet, dass Nudeln jeden dick und rund nudeln, wird sich freuen, dass es nicht stimmt. Nudelteig kann arm an Kohlenhydraten sein, kann Vitamine und Mineralien enthalten und kann reich an Ballaststoffen und Eiweiß sein. Nudeln sind flexibel und das nicht erst nach dem Kochen! Nudeln sind so, wie Sie sie haben wollen.

Von Alternativ bis Zucchini

Wie das möglich ist, zeigt dieses Buch in 80 vielfältigen und variierbaren Rezepten. Der systematische Aufbau des Bandes führt in Zutaten und den Umgang mit ihnen ein, erst danach wird auf die Herstellung, Aufbewahrung und Zubereitung von Nudeln eingegangen.

Zum Einsatz kommen Getreide, Hülsenfrüchte und Gemüse. Getreide wie Buchweizen, Mais, Einkorn, Hirse, Reis, Sorghum und viele mehr werden als Alternativen zu Weizenmehl vorgestellt. Außerdem wird angeregt das Mehl mit gemahlenen Kastanien und Mandeln zu mischen. Unter den verwendeten Hülsenfrüchten finden sich unter anderem Kichererbsen, Edamabohnen und Linsen. Die Liste der Gemüsesorten reicht von roter Bete bis Zucchini.

Selbstverständlich werden Farbe und Aroma bei der Teigzubereitung bedacht, denn es gilt bei gutem Essen alle Sinne zu befriedigen. Und dazu gehört nicht zu letzt auch die Form der Nudel: Vom einfachen ausgerollten Teigblatt für Lasagne über Farfalle und Orecchiette und gefüllte Ravioli bis zu Spätzle und Gnocchi reicht die Information. Und das ist der attraktive Part dieses Bandes. Die im Rezeptteil beschriebenen Speisen, die sich rund um die Hauptzutat Nudel gesellen, werden in all ihrer Geschmacksvielfalt und aromatischen Sinnlichkeit beschrieben. Essen ist und sollte immer ein kunstvolles Event sein – Nudeln sind das Fest des Alltags.

Acht Grundrezepte, die alle in etwa die gleiche Menge ergeben, bilden die Ausgangsbasis für die nachfolgenden Nudelköstlichkeiten. Auf Seite 68 und S. 164 gesellen sich spät aber doch ein Spätzleteig sowie ein mit Hirse- und Mandelmehl aufgepeppter Gnocchiteig hinzu. Fair und benutzerfreundlich ist, dass am Ende noch auf gekaufte Ersatznudeln eingegangen wird – manchmal reicht die Zeit nicht, den Nudelteig selbst zuzubereiten. Jedes Rezept ist übersichtlich gegliedert. Eine kurze Einführung mit geschmacklichen Hinweisen ist der Zutatenliste vorangestellt. Die Zubereitung ist schrittweise aufgebaut und lässt sich leicht nachvollziehen.

Foodfotografie & Foodstyling

„Rote-Bete-Tagliatelle mit Salbei und Ziegenkäse“ (S. 155) waren übrigens mein Einstieg in dieses Band. Es begann mit den Augen und endete in der Küche. Die Präsentation der Nudeln im Zusammenspiel mit 80 Rezeptvorschlägen ist atemberaubend. Mit meinem Faible für Fotografie waren die Fotos das Dessert zum kochtechnischen Know-how. Gute Foodfotografie ist ein ebenso wichtiger Part in einem hochwertigen Kochbuch wie die innovativen Rezepte von Caroline Bretherton selbst. Mit Charlotte Tolhurst, Foodfotografin, und Maud Eden, Foodstylistin, waren zwei kongeniale Meisterinnen des Anrichtens für die Augen beteiligt. Die zurückhaltend attraktive Ausstattung steuerte Rob Merrett bei. Alle drei haben ihren spezifischen Stil, der harmonisch in diesen Fotos zusammenspielt und sich dem Anspruch der Publikation anpasst. Dies gilt sowohl für die angerichteten Speisen als auch für die illustrierenden Stillleben.

Fazit

Durch dieses Buch kann man sich leicht inspirieren lassen und mit dem Kneten beginnen. Sobald man seinen liebsten Nudelteig – oder auch mehrere – gefunden hat, ist es ein Vergnügen, hauseigene Nudeln in Suppen, mit perfekten Soßen oder als Salat zu servieren. Wenn Sie die Fotos als Dessert betrachten, haben sowohl Nudelfans, Ernährungsbewusste, Kochbegeisterte als auch Fotobesessene mit „Nudeln mal anders“ ihre Freude. Mehr Nudeln für weniger Geld ist übrigens unmöglich.