World Press Photo 2018

Stiftung World Press Photo
World Press Photo 2018
Till Shaap Edition, Bern 2018
ISBN 978 3 03878 014 4
ISSN 1663-3776

Ausstellung Wien
14. September – 21. Oktober 2018
Westlicht – Schauplatz für Fotografie

Publikation und Ausstellung

Der internationale Wettbewerb „World Press Photo“ wurde 1955 von niederländischen Fotografen gegründet. Seither hat der Bildjournalismus mehr denn je an Bedeutung gewonnen. Ehrliche und aussagekräftige Berichterstattung einerseits sowie emotionalisierende und atemberaubende Fotografie andererseits zeichnen sowohl die Sieger als auch die Nominierten in den einzelnen Kategorien seit Beginn des Wettbewerbs aus. Auch 2018 war das nicht anders.

Der Foto-Tsunami

4.548 FotografInnen aus 125 Ländern reichten 73.044 Fotos ein. Aus dieser enormen Fülle nominierte die Jury 2018 die Fotografen Adam Ferguson (Australien, The New York Times), Toby Melville (Vereinigtes Königreich, Reuters), Ronaldo Schemidt (Venzuela, Agence France-Presse), Patrick Brown (Australien, Panos Pictures – UNICEF) sowie Ivor Pricket (Irland, The New York Times), der es sogar mit zwei Fotografien in die Nominierung geschafft hat. Letztendlich wurde Ronaldo Schemidt aufgrund seiner Fotografie des brennenden José Victor Salazar Balza zum Sieger gekürt. Der 28-jährige fing bei Protesten gegen Verfassungsreformen des Staatspräsident Nicolás Maduro am 3. Mai 2017 Feuer.

Seit der Bekanntgabe der Nominierten Anfang 2018 und der Ehrung am 12. April – der Termin ist ein weiteres Sicherheitsnetz Manipulationen auszuschließen – ist bereits einige Zeit vergangen. Jetzt ist die Schau der weltbesten Pressefotos endlich auch in Wien im Westlicht – Schauplatz für Fotografie zu sehen. Ein Pflichtbesuch für FotografInnen – egal ob Profi oder AmateurIn – und die zugehörige Publikation World Press Photo 2018 gehört für alle Fotografiebesessenen griffbereit ins Regal.

Storytelling & Novität | Gewalt & Opfer

Die Kategorien sind, Menschen, Harte Fakten, Reportagen, Aktuelle Themen, Umwelt, Sport, Natur und Langfristige Projekte. Unterschieden wird jeweils – außer bei Langfristige Projekte – in Einzelfotos und Fotoserien.

Die Auswahl reflektiert den allgemeinen Fokus der Presse auf Gewalt und Opfer. Das gilt für den Blick auf Umwelt und Natur ebenso wie der gezielte Blick auf Ereignisse und Menschen. Es ist als ob sich die Welt in männliche Täter und ihre – zumeist weibliche bzw. jugendliche – Opfer splitten ließe, die wiederum mit einem zumeist männlichen Blick auf die Ereignisse festgehalten wurden. Obwohl sich dieser rote Faden aller Formen von Verzweiflung durch die Auswahl zieht, ist deutlich erkennbar, dass nach der überragenden fotografischen Qualität auch den Faktoren Storytelling und Novität großes Gewicht beigemessen wurde.

Österreich im Fokus

Der Österreich betreffende Beitrag „Ich bin Waldviertel“ von Carla Kogelman (Niederlande) hebt sich von dieser Gesamtlinie sowohl inhaltlich als auch fotografisch ab. Die Fotografin hat zwischen 2012 und 2017 in Merkenbrechts (Waldviertel) ihre Sommer verbracht. Während ihres Aufenthaltes hat sie in dem Dorf mit rund 160 Einwohnern, zwei Kinder in monochromen Aufnahmen in einer Weise dokumentiert, die an die frühen 1970er erinnert. Die Illusion einer heilen Welt im Stil einer Astrid Lindgren Erzählung scheint jenen Nerv der Jury getroffen zu haben, der sich nach Frieden – egal wie inszeniert und illusorisch er auch sein mag – gesehnt hat. Kogelman wurde der 1. Preis in der Kategorie Langfristige Projekte zuerkannt. Damit ist sie zugleich auch eine der wenigen FotografInnen, die eine der prestigeträchtigen Auszeichnungen erhielt.

Fazit

Man kann mit der Jury bezüglich der vorgelegten Auswahl übereinstimmen oder auch nicht. Es spielt letzlich keine Rolle, da die Fotografien zunächst die weltweiten Tendenzen der als publikationswürdig empfundenen Ereignisse repräsentieren. Die Vorauswahl wurde also schon durch die Weltpresse selbst getroffen. Die Jury kann es sich bei dieser Fülle an Material selbst nach den ersten Siebverfahren und bis zu den finalen Recherchen nicht leicht gemacht haben. Somit ist die Jury einerseits zu beneiden, alle Einreichungen gesehen zu haben und andererseits zu bedauern, den Prozess, einen gemeinsamen Nenner zu finden, erlebt zu haben.

Ästhetisch hat mich persönlich Li Huaifeng (China), der den 3. Preis in der Kategorie Menschen erhielt, am meisten beeindruckt. Mit seinem Porträt zweier Brüder in ihrem Erdhaus ist er für mich quasi der Vermeer der Fotografie 2018. Er hat das Rennen dennoch nur knapp vor Oliver Scarff (Vereinigtes Königreich), der den 1. Preis in der Kategorie Sport zugesprochen bekam, gemacht. Es ist nicht Business, es ist etwas Persönliches: Ich mag einfach Vermeer lieber als Rembrandt. Das ist zugleich ein Grund, warum ich dankbar bin, dass eine nach vielen anderen Kriterien entscheidende Jury die beste Auswahl für 2018 festgelegt hat.

Die Publikationen „World Press Photo“ griffbereit zu halten, ist empfehlenswert.