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 05/04

 
 

© 2003 Strohschneider-LaueFiction

Buch

Jasper Fforde

Der Fall Jane Eyre

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dtv premium 2004; 375 S.

EUR (A) 15,00, EUR (D) 14,50, CHF 25,20

ISBN 3-423-24379-1

Rezension

Wer dieses Buch nicht liebt, dem ist nicht zu helfen. "Der Fall Jane Eyre" ist der seltene Glücksfall, dass sämtliche Genres, mehr oder minder abgedroschene Roman- und TV-Helden, reale Wirtschaftsmogule und alltägliche Absurditäten erfolgreich in einen Roman gepresst wurden. Die eigentliche Geschichte – der Krimi nämlich – ist zwar spannend bis zur letzten Seite aber gar nicht so wichtig. Der köstlich boshafte Spaß steckt im Detail der recht abstrusen Nebenbehandlungen. Beim Lesen sollte man daher höllisch aufpassen, um zwischen Schmunzeln und lautem Auflachen keine Doppelbödigkeit zu verpassen. Jasper Fforde teilt seine göttlichen Seitenhieb auf Klonen, Globalisierung, Rüstung, Tourismus, Bill Gates, Missionare, Datenerfassung ebenso großzügig aus, wie er respektlos mit Klischees umgeht.

Ein wahrlich fiktives England ist die Heimat der Topagentin Thursday Next. So einiges ist dort mehr als nur anders. Next ist - wie fast alle - Veteranin des seit dem 19. Jahrhunderts tobenden Krimkrieges. Der Krimkrieg ist wiederum das Lebenselixier des Goliath-Konzerns. Goliath, wie ein hässliches Pilzgeflecht in allen Lebensbereichen verbreitet, hat jüngst die ultimative Waffe zur erfolgreichen Beendigung des Krimkrieges in den Medien angekündigt.

Und dann gibt es noch Acheron Hades: Ex-Uniprofessor und Superbösewicht vom Kaliber eines Moriarty-Blofeld mit Hauptquartier in der abgeriegelten sozialistischen Republik Wales. Hades schreckt vor nichts zurück und ist allzeit zur globalen Schandtat bei maximaler Medienwirkung bereit.

In diesem anderen England ist Literatur das höchste Kulturgut. Autoren und Bücher werden verehrt, gepflegt und wie in Ray Bradbury's "Fahrenheit 451" auswendig gelernt. Sogar Kinder werden nach Literaten und Romanfiguren benannt; so oft, dass die vielen Kinder gleichen Namens zusätzlich zum Geburtsdatum nummeriert werden müssen. Was kann es in seinem Land also Schlimmeres geben, als den Diebstahl des hochverehrten Originalmanuskriptes von Brontës "Jane Eyre"? Die Spezialeinheit für Buchkriminalität, zu der auch Thursday Next als A1-Agentin gehört, ist mit der Aufklärung dieser literarischen Geiselnahme beauftragt. Ein Glück, dass Thursdays schräger Erfinder-Onkel Mycroft einen neuen Prototyp entwickelt hat. Sein recht anfälliges Literaturportal ist der Schlüssel zum realen Einstieg in die Welt der Jane Eyre. Es sei noch bemerkt, dass japanische Kulturtouristen seit Jahren ohne Literaturportal reisen... Ein teuflisches Literaturvergnügen, dem man unbedingt auch auf der Homepage von Jasper Fforde frönen sollte, da die Illustrationen nicht in die Deutsche Ausgabe übernommen wurden.

© S. Strohschneider-Laue

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