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13. November 2016
Das Büro war leider unbesetzt

Das Büro war leider unbesetzt

Ich dachte, 2013 hätte böse geendet und 2014 schlecht begonnen.

Meine Rückenoperation am 23. Dezember 2013 - ausgerechnet am Hochzeitstag - und der Schlaganfall meines Papas im März 2014 waren ein Kinderspiel gegen das, was 2015 und 2016 zu bewältigen war.

Der Sommer 2015 war der Wendepunkt. Ein schwerer, unverschuldeter Autounfall traf uns am 14. Juli. Eine sehr schlimme Nachricht folgte am 17. Juli zum Geburtstag meines Schwagers Cato: Koma. Aber erst die folgenschwere Erkrankung meiner Mama am 18. Juli veränderte wirklich alle Lebenslagen: Gürtelrose am Kopf, schwere chronische Neuralgie, lange Krankenhausaufenthalte, verschlechternder Allgemeinzustand, Gelbsucht zu Weihnachten. Am 30. Dezember zeichnete sich die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs ab. Als ich endlich fähig war, vom Krankenhausparkhaus wegzufahren, rief meine Schwägerin an: Wenn du ihn noch lebend sehen willst, musst du jetzt kommen. Ich habe es noch geschafft - auch zur Beerdigung am 15. Januar 2016.

Aber 2015 hatte viel böser geendet und 2016 noch viel schlechter begonnen.

Ab Februar 2016 standen nur noch Untersuchungen, Operation, Chemotherapie und Arztermine in meinem Kalender. Mama wurde in Wien operiert. Papa lebte bei und mit uns. Vier Wochen lang. In einer für ihn immer fremder werdenden Umgebung. Umsorgt, bespaßt und ohne barrierefreies Bad/WC. Mit Rollstuhl waren wir täglich im Krankenhaus - zu Fuß oder mit der U-Bahn. Nach der Operation ging es langsam mit meiner Mama aufwärts, mit der Chemo ging es noch rapider abwärts. Dreimal wäre sie mir fast unter den Händen gestorben. Ein Krankenhausaufenthalt jagte den nächsten. Ich könnte eine Karriere als Krankenwagenfahrerin in Erwägung ziehen. Momentan erholt sie sich, es schaut gut aus, aber die Angst wird uns allen bleiben.

Eigentlich ist es ein Wunder, dass ich nur einen Nervenzusammenbruch in der ganzen Zeit hatte. Und das ist auch nur der Tatsache zu verdanken, dass ich Unterstützung in meinen wunderbaren Freundinnen und Schwestern im Herzen Cely, Christine und Petra habe. Dazu kommt Peters ewig bereiter medizinischer Rat und unerschütterliche Tatkraft. Aber sobald mein Roland schlapp macht, kann ich auch nicht mehr. Und ohne die Schreitherapie am Nova Rock sowie die vielen anderen spaßigen Dinge mit Töchting Victoria, wäre alles viel früher in mir zusammengebrochen. Wenn dann Fong noch Anteil nimmt und die Nachbarn meiner Eltern - Elfi und Herbert sowie Evi und Andy - im Notfall sowie auch sonst hilfsbereit auf der Matte stehen, dann weiß ich auch, weshalb ich durchhalten kann. Daher ist es besonders schmerzhaft zum Sterbebett von Fongs Mutter zu kommen und der Freundin die Last nicht tragen helfen zu können. Am 3. November 2016 standen wir wieder an einem offenen Grab. Und das Jahr ist noch nicht zu Ende!

Kein Wunder, dass ich nicht gebloggt habe, nur zwei Großprojekte - unter großen Schwierigkeiten - betreuen sowie Kleinigkeiten annehmen konnte und viel zu viel ablehnen musste. Und genau deshalb möchte ich mich bei meinen KollegInnen und meinen KundInnen an dieser Stelle für ihre unglaubliche Geduld, freundliche Anteilnahme sowie bei meiner Schwägerin Grete für ihre Hilfe herzlichst bedanken!

Jetzt hoffe ich, dass ich nicht wieder innerhalb von 11 Monaten 25.000 km in Angst und Stress unterwegs sein muss, sondern ganz entspannt ins Auto steige.
2017 muss einfach besser werden!

© Sistlau

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