Berufsbezeichnung für Schubladendenker

05. Februar 2013

Sistlau - Schreibe individuelle Spezialtexte, lektoriere, arbeite universell

Sistlau - Schreibe individuelle Spezialtexte, lektoriere, arbeite universell

“Heiteres Beruferaten” ist von gestern

Als Wibke Ladwig heute die Frage stellte “Und was machen Sie so beruflich” und eine Blogparade ausschrieb, trat mir der Schweiß auf die Stirn.

Ich weiß natürlich, was ich beruflich mache. Genauso gut weiß ich, dass ich meinen “Beruf” weder in einem Wort noch in einem Satz darstellen kann. Welche Jobbezeichnung zu mir passt, ist schwerer zu definieren, als zu beantworten, welche nicht zu mir passt. Ich deklariere mich nicht gerne, weil es eben keine bürokratische Schublade gibt, in die ich passen würde. Es gibt keinen Sammelbegriff wie “Mediziner” und keine zugehörige Kategorisierung wie “Chirurg”. Es gibt auch keine typische Handbewegung, obwohl ich mir immer wieder an meinen Kopf greife, um selbigen vom Schütteln abzuhalten, die Augen in Resignation zu bedecken oder nach den Akupressurpunkten gegen Kopfschmerzen zu tasten.

Jedem Frager (s)eine Antwort

Nach meinem Beruf befragt, antworte ich zielgruppenspezifisch und situationsbezogen. Daher gebe ich zumeist nur ausgewählte Teilaspekte meines arbeitsmarkttauglichen Potenzials bekannt. So betrachtet, haben Bücher und ich etwas gemeinsam: Vielseitigkeit. Grade das kann leicht zu Überforderung - kennzeichnend dafür ist der “glasige Blick” - beim Fragesteller führen. Mit Pech wird der weitschweifige Erklärungsversuch mit Prahlerei verwechselt und das Gespräch ist danach beendet. Daher bin ich froh, wenn ich zuerst etwas über meinen Gesprächspartner erfahre.

So ist es leichter, einen Profisportler, der über seine Karriere geplaudert hat, mit “Erd- und Wortbewegung ist mein Sport!” neugierig zu machen. Mit Vorwissen kann ich einem Winzer, dessen Wein ich mit Genuss verkostet habe, sagen, dass er werbetaugliche Texte für sein Produkt, seine Website, seine Flyer von mir bekommen kann. Beim letzten Silvestertreffen kam ich zufällig mit einem alten Herrn ins Gespräch, der an seiner Autobiografie schreibt. Bei meiner beruflichen Definition strich ich natürlich u. a. meine Erfahrungen in Ghostwriting und Korrektorat heraus.

Es ist, trotz mehr Vorwissen,  im Wissenschafts- und Kulturbereich auch nicht anders. Der Kreis der Fachkollegen ist in meinem Orchideenfach überschaubar. Man kennt einander durch Studium, Projekte und Tagungen. Hier verweise ich meine Gesprächspartner darauf, dass ich von der Feldforschung zur Aufarbeitung gewechselt habe und als Kommunikationskuratorin für Ausstellungen sowie als Lektorin/Korrektorin für Fachtexte zur Verfügung stehe. Ausstellungsmacher informiere ich, dass ich Konzepte mitgestalte, indem sie die zielgruppenspezifische und barrierefreie Kulturvermittlung plane sowie die zugehörigen Textsorten verfasse.

Schwierige Gesprächspartner in Sachen “Berufsprofil” sind die wiehernden Amtsschimmel. So kurz, bündig und ausgewählt kann ich mich gar nicht fassen, um nicht doch am Ende in die falsche Schublade (z. B. PR-Frau) gequetscht  zu werden. Zurzeit versuche ich es mit “Kulturwissenschafterin,  projektbezogen tätig” zu erklären, was den Kern meines beruflichen Profils am besten erfasst.

Hobby - geht gar nicht!

Was mich immer hart trifft, ist das mit verträumten Augen formulierte: “Sie sind Archäologin? Das wollte ich auch immer werden. Sie haben wohl ihr Hobby zum Beruf gemacht.”

Nein, ich habe mein Hobby nicht zum Beruf gemacht. Hobby sollte niemals in einem Atemzug mit Beruf genannt werden. Ich für meinen Teil tue es keinesfalls. Dann wäre ich nämlich Aquarianer geworden. Hobby ist eine unbezahlte Freizeitbeschäftigung, die nicht den Anspruch auf Professionalität erhebt. Es gibt keinen Hobbyarzt (Kurpfuscher), keinen Hobbyrechtsanwalt (Winkeladvokat) und selbst der oft in den Medien erwähnte Hobbyarchäologe ist in Wirklichkeit nur eine euphemistische Bezeichnung für Raubgräber.

Mein Beruf ist Sistlau

Ich bin Sistlau. Das Akronym (Sigrid Strohschneider-Laue) wählte ich, weil mein Name für E-Mail, Computerkennung etc. amtsintern zu lang war. Heute steht Sistlau für Schreibe individuelle Spezialtexte, lektoriere, arbeite universell.

Gerne auch für Sie und in Ihrem Auftrag.

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