Wissenschaft ist Neugier - Schreiben ist Spannung

30. Juli 2014

Lieblingsjob | Jobliebling

In der Verlängerung habe ich auf dem Blogparadeplatz der Worthauerei von Annette Lindstädt den Ball aufgenommen. Sie fragte nach

  • Welche Jobs bzw. welchen Teil oder Aspekt eurer Arbeit mögt ihr besonders?
  • Und warum?
  • Was genau macht für euch einen Lieblingsjob/-auftrag oder -teil eurer Arbeit aus? Welche Faktoren müssen stimmen, damit ihr am Ende eines Tages, Auftrags oder Projekts sagt: “Das war klasse!”?
  • Und was wolltet ihr der Welt sonst noch schon immer mal über euren Beruf sagen?
Winterdienst ohne Sommerloch

Winterdienst ohne Sommerloch

Kurze Antwort

Tatsächlich ist, die Frage nach meinem Lieblingsjob/Jobliebling ganz leicht zu beantworten: Es sind einerseits die Neugier und Spannung an etwas Neuem zu arbeiten und andererseits der Aspekt, dass die Wissenschaft, Wissen schafft.
Im Grunde ist es beim Lieblingsjob wie in der Archäologie. Es sind die “vier großen A”: Auffinden - Ausgraben - Aufarbeiten - Ausstellen. Nur müsste es jetzt etwas weniger archäologiespezifisch heißen Auftrag - Anplanen - Ausarbeiten - Ausdrucken.

Der Auftrag

Jeder Auftrag ist einzigartig und das bereitet mir Vorfreude. Sogar vermeintliche Routineaufträge bieten immer ein gewisses Überraschungselement.
“Schwere Kost leicht zu servieren” liebe ich sehr. Projekte mit Anspruch auf „inhaltliche Barrierefreiheit” sind meine Spezialität. Solche Texte sind nie gleich und immer kniffelig. Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit zu informieren und zugleich durch Räume zu leiten, ist mir ein besonderes Anliegen. Gleiches gilt auch für Texte, die an Menschen mit eingeschränkter Lernfähigkeit gerichtet sind.

Kaffee oder Tee?

Kaffee oder Tee?

Das Anplanen

Es gilt, Kundenwünsche, Inhalte und Ziele zu berücksichtigen. In der Planungsphase ist gute Kommunikation wichtig. So manches Projekt hat erst dadurch Brainstorming den genialen Twist erhalten, der es zu einem Dauerbrenner gemacht hat. Das Sprichwort “durch Reden kommen die Leut’ zusammen” ist für mich ein wichtiger Aspekt des “Lieblingsjobs”.

Das Ausarbeiten

Das Korrigieren und Lektorieren von Texten kann durchaus mehr als nur Routine sein. Zuweilen sind eigene Recherchen nötig, um - ggf. rudimentär - Vorhandenes in einen überzeugenden Text zu verwandeln. Zu diesen Recherchen kann das spannende “Puhlen im Wissenschaftlerkopf” gehören. Schließlich wissen renommierte ForscherInnen ja, wovon sie sprechen, was leider nicht immer bedeutet, dass es auch am Papier zu lesen ist. Ich liebe diese intensiven Gespräche zwischen Bücherbergen und Kaffeetassen.

Das Ausdrucken

Das letzte Detail, die letzte Korrektur ist eingearbeitet. Ankündigen, ausdrucken, absenden, fertig.
Leider nicht immer. Zuweilen gibt es Haken und Ösen, die im letzten Moment Stress verbreiten. Nein, das liebe ich nicht, aber etwas Schönes kann ich sogar daran noch finden: Spätestens nach einem Jahr ist die „Haken-Ösen-Stress-Bewältigung” eine verdammt gute Geschichte.

Ein Beruf ist kein Hobby

Ein Beruf ist kein Hobby

Und was ich noch über meinen Lieblingsberuf sagen wollte

Ich weiß genau, was ich an meinem Job liebe, schwieriger wird es erst bei der exakten „Lieblingsjob-Bezeichnung”: Text | Ghostwriting | Korrektorat | Lektorat | Redaktion | Audiodeskription | Easy-to-Read | Kulturvermittlung | Ausstellungskonzeption. Mein „Lieblingsjob” lässt sich weder in einem Wort noch in einem Satz darstellen. Ich deklariere mich nicht gerne, weil es eben keine bürokratische Schublade gibt, in die ich passen würde. Was mich immer hart trifft, ist, das mit verträumten Augen von Gesprächspartnern formulierte: “Was, Sie sind Archäologin? Das wollte ich auch immer werden. Sie haben Ihr Hobby zum Beruf gemacht!” Nein, ich habe mein Hobby nicht zum Beruf gemacht. Dann wäre ich nämlich Aquarianerin geworden. Hobby ist eine unbezahlte Freizeitbeschäftigung, die nicht den Anspruch auf Professionalität erhebt. Es gibt keinen Hobbyarzt (Kurpfuscher), keinen Hobbyrechtsanwalt (Winkeladvokat) und selbst der oft in den Medien erwähnte Hobbyarchäologe ist in Wirklichkeit nur eine euphemistische Bezeichnung für Raubgräber. Aber dazu mehr in meinem Blogartikel Berufsbezeichnungen für Schubladendenker, den ich für eine Blogparade von Wibke Ladwig schrieb.

In eigener Sache

Ich bin Sistlau. Das Akronym (Sigrid Strohschneider-Laue) wählte ich, weil mein Name dereinst für E-Mail, Computerkennung etc. amtsintern zu lang war. Heute steht Sistlau für Schreibe individuelle Spezialtexte, lektoriere, arbeite universell - gerne auch für Sie.

© Sistlau