Metapher – die Dosis macht das Gift

Rosinen im Kopf vs Rosinen rauspicken

Durch die Blume gesprochen, nicht alle Metaphern werten Texte literarisch auf, so rosarot kann die Brille vor dem Auge des Betrachters gar nicht sein. Anschaulicher werden Sachverhalte durch den Gebrauch blumiger Umschreibungen auch nicht immer. Wer hingegen Metaphern sparsam wie ein Schotte und treffsicher wie ein Scharfschütze verwendet, trifft den Nagel auf den Kopf. Sogar der Versuch Wortwiederholungen zu vermeiden, kann auf die schiefe Bahn führen. Wien wird gerne als die Donaumetropole und Frankfurt am Main als Mainhatten bezeichnet. Seltsam wird es allerdings, wenn man Frankfurt am Mainstream liest und es inhaltlich nicht um Trendforschung geht.

Duden – Wer hat den Teufel an die Wand gemalt?

Knapp daneben …

Allerdings können Metaphern auch den Kreisbogen überspannen und zur Erheiterung des Lektorats beitragen. Auf dem Ohr bin ich blind oder hörst du wie der Ofen stinkt sind richtige Schenkelklatscher. Manche Formulierungen sind so aufreizend, dass man sie bis zum bitteren Ende sprachlich verfolgen muss. Dann fragt man sich als kritisch Lesende auch ohne vollendete Metapher: Wenn man nackte Tatsachen kalt aufzeigt, muss man dann seinen Zeigefinger warm anziehen?

Volltreffer!

Andererseits können schräge Vergleiche durchaus sinnstiftend eingesetzt werden:
Barrierefreiheit: Komm und rieche mit den Augen wie sich Geschmack mit den Händen anhört!
Die Fülle an verstörenden Gegensätzen bringt es sprachlich besser auf den Punkt, als es die korrekte Formulierung „multisensorische Zugänge“ je könnte.

In eigener Sache

Überlassen Sie es mir, Ihre Nadeln im Heuhaufen zu finden.

Publikation zum Pudels Kern
Epoche und Metapher: Systematik und Geschichte kultureller Bildlichkeit (spectrum Literaturwissenschaft 43)