Fremdwort – Cluster

Bitte übersetzen!

Benützen Sie Fremdwörter nur dann, wenn sie unvermeidlich sind. Die Allgemeinheit versteht erstens das Fremdwort und zweitens Sie nicht. Vergewissern Sie sich, ob Sie selbst das Fremdwort verstanden und zielführend verwendet haben.

„Die Vitrinen sind Themeninseln, die wir Cluster nennen.“

  • Ist das eine unverzichtbare Information?
  • Interessiert das die BesucherInnen?
  • Gehört das in einen leicht lesbaren und leicht verständlichen Text?

Angenommen die Vitrinen wären wolkenförmig, sie wären trotzdem kein Cloud Cluster (Regengebiet). Das Publikum würde Sie sicher missverstehen und annehmen, es wäre die Zusammenballung von Datenwolken am Computerhimmel.

Nur mal so randlich angemerkt, es gibt den Cluster-Kopfschmerz. Den will niemand haben und man sollte ihn auch nicht verursachen.

Exposé

Das Exposé ist nicht das Manuskript

Nach zwei Jahren ist es mir wieder passiert: Um Exposé gebeten und Aktenordner erhalten. Deswegen nachfolgend einige Tipps.

Es geht um ein schriftliches Verkaufsgespräch. Das Exposé soll daher weder langweilen noch überfordern oder anderweitig vergraulen. Im Gegenteil, es soll rasch und übersichtlich die wichtigsten Informationen bereitstellen. Weniger ist in diesem Fall zwar mehr, aber Eckdaten dürfen deshalb trotzdem nicht fehlen.

Genre

Auf den Punkt bringen. „Dokumentarisches Kinderbuch mit literarischem Anspruch inklusive einger Fantasyelemente“ kann nicht als auf den Punkt gebracht gelten.

Zielgruppe

„Alle“ kann nicht die primäre Zielgruppe eines Kinderbuchs sein – obwohl Erwachsene diese kaufen und Kinder sie lesen sollen.

Arbeitstitel

Knackig und beschreibend soll er sein. Er soll neugierig machen. In Erz gegossene und in Marmor gemeißelte Titel lassen viel zu wenig Spielraum.

Inhalt

Eine kurze Skizze genügt. Eine gute Orientierung betreffend Länge und Beschreibung bieten Klappentexte. Im Grunde werden hier Grundsatzfragen was, wer, wo, warum und wie beantwortet und dennoch nicht zu viel verraten.

Produktionsdetails

Umfang (Angaben nach Normseiten), Liefer-/Produktionsvorschläge (TB, E-Book etc.)

Leseprobe

Eine Seite genügt. Das ganze Manuskript liest zunächst niemand, erzeugt Ablehnung und verursacht Versandkosten.

Autor/Autorin

Ihre Kurzbiografie und ihre Kontaktdaten sind essentiell.

In eigener Sache

Sprechen Sie bitte mir – bevor Sie mir Ihr vollständiges Manuskript senden. Egal, ob Sie Korrektur oder Lektorat Ihres Manuskriptes benötigen oder Hilfe beim Abfassen brauchen, denn wie es so schön im Dialekt heißt „durch’s Red’n kemma d’Leit z’samm“.

Schreiben für NÖLA 2019

Inklusives Design dient ALLEN BesucherInnen

In Kürze öffnet die Niederösterreichische Landesausstellung 2019 in Wiener Neustadt ihre Pforten. Von 30. März bis 10. November ist das zentrale Thema „Welt in Bewegung“ an zwei Standorten: Kasematten und Museum St. Peter an der Sperr.

Ochsen-Joch Barrierefreiheit ist selbstverständlich

Zwei Jahre lang wurde die Ausstellung vorbereitet. Im Endspurt werden die Ausstellungselemente eingepasst, die einen barrierefreien Zugang ermöglichen: Orientierungsstationen, Aufmerksamkeitsfelder am Boden, multisensorische Angebote zum Hören, Sehen, Riechen und Tasten. Dazu gehören leicht lesbare und inhaltlich leicht verständliche Texte ebenso wie Zuspielungen in Gebärdensprache und umfassende Audiodeskription mit zusätzlicher Raumorientierung.

QR-Code der Museumslösung i+Dr. Doris Prenn, Spezialistin für barrierefreies Design, entwickelte auch für die Niederösterreichische Landesausstellung 2019 die inklusive Leitlinie mit barrierefreien Ausstellungselementen. Zum Einsatz kommen dabei zentrale Angebote der inklusiven Museumslösung i+, die 2018 mit dem Österreichischen Inklusionspreis ausgezeichnet wurde.

Mit der zugehörigen Audiodeskription und Raumorientierung sowie dem Schreiben leicht lesbarer und leicht verständlicher Texte in verschiedenen Leichtigkeitsgraden wurde ich beauftragt. Ich freue mich, wieder einen Beitrag zur inklusiven inhaltlichen Zugänglichkeit leisten zu dürfen.

Steigerungsfähig?

Es gibt Grenzen

Adjektive können über den Komperativ bis zum Superlativ gesteigert werden. Theoretisch ganz einfach, praktisch ein einziger begrabener Hund.

Manche Adjektive sind regelmäßig, andere unregelmäßig, manche nur mäßig und wieder andere gar nicht zu steigern. Mal abgesehen davon, ist in der Werbung sowieso alles anders.

Regelmäßig

Hier ein regelmäßig zu steigerndes Adjektiv:

  • fleißig,
  • fleißiger,
  • am fleißigsten.

Unregelmäßig

Und nun ein Unregelmäßiges:

  • gerne,
  • lieber,
  • am liebsten.

Verstörend bei manchen …

Mäßig wird es z. B. bei diesem:

  • hinterer,
  • hintersten,
  • eine gedanklich naheliegende Steigerung unterbleibt aus korrekten Gründen.

Wenn es um Absolute geht, müsste man es überhaupt lassen:

  • tot
  • töter
  • am tötesten.

Das hat höchstens Komödienpotenzial. Außerdem ist am rundesten oder am blauesten ebenso unmöglich, wenn es sich nicht grade um persönliche Befindlichkeiten handelt.

… und in der Werbung

Was man werbungsmäßig – zumindest in Österreich – nicht aus dem Kopf bekommt, ist eine Steigerung der besonderen Art:

  • gut,
  • besser,
  • Gösser.

Da kann man nur noch Prost sagen!

In eigener Sache

Als Lektorin finde ich die töteste Leiche auch in Ihrem allerhintersten Satz.

Fremdwort – initial

Bitte übersetzen!

Benützen Sie Fremdwörter nur dann, wenn sie unvermeidlich sind. Die Allgemeinheit versteht erstens das Fremdwort und zweitens Sie nicht.

Egal ob Initialzündung oder Initialprojekt – alles passiert irgendwann erstmals. Aber es klingt natürlich viel gewichtiger, erprobter mit initial. Es ist als ob der vergrößerte und verzierte erste Buchstabe, das Initial, die Qualität des ganzen Kapitels garantieren würde. Ein Initialprojekt, klingt besser als „erstes Projekt“. Wer vertraut schon einem Erstprojekt, dem Prototyp, dem ersten Modell, dem Anfänger?  Initialprojekt klingt nach Beta-Version. Dass dies nur eine Testversion und nicht das Release ist, wissen auch nicht alle. Der Initialschnörke ist ein Ablenkungsmanöver und eine Worthülse aus der Steinzeit der Förderungsformulare.